Katharina Fröhlich

Niemals wieder

Leise schließe ich die Tür auf.
Wie oft war ich doch hier.
Du hattest die Tür nur zugezogen, typisch für dich.
Wir wollten bald zusammenziehen. Die passende Wohnung war doch schon
gefunden.
In einem Monat hätte es losgehen können.
Doch alles kam anders, ja es kommt doch immer anders.
Das wird heute nicht das letzte Mal sein, das hier bin.
Aber es ist das letzte Mal, das alles hier so aussieht, als würdest du
bald zurückkommen.

Niemals wieder wirst du zurückkommen.

Ich komme um auszuräumen.
Deine Kleidung werde ich spenden, die Möbel wandern wahrschenlich
auf den Sperrmüll.
Du würdest mich jetzt bestimmt für verrückt erklären, dass ich deine
Möbel wegwerfen will. Du würdest dich jetzt von mir abwenden, einige
Zeit sauer auf mich sein, nur um dann wieder zu mir zu gehen und mich zu
umarmen.

Niemals wieder werde ich deine Umarmung spüren.

Alles hier erinnert mich an dich. Ich setzte mich einfach auf deine
Couch und atme den Duft deiner Wohnung ein.
Ich kann fast das knarren der Holzdielen hören. Es ist, als würdest du
gleich aus der Küchen kommen und mir ein Glas Orangensaft mitbringen.

Niemals wieder wirst du mir etwas mitbringen.

Ich muss jetzt alleine in die Küche gehen.
Erinnerungen an längst vergangene Tage werden wach.
Zu deinem Geburtstag haben wir hier gekocht.
Wir haben ein richtiges Chaos angerichtet. Mir war es egal doch du
musstest es natürlih sofort aufräumen. Typisch für dich.
Wie habe ich mich immer über deinen Ordungsdrang aufgeregt.

Niemals wieder wirst du etwas aufräumen.

Von der Küche wandere ich ins Schlafzimmer.
Hier kleben noch viel mehr Erinnerungen. Meine erste Nacht bei dir.
Unser erster Streit. Die erste Versönung.
Alles hat sich hier abgespielt.
Ich lege mich aufs Bett und fühle den kühlen aber glatten Stoff deiner
Bettwäsche.
Hier haben wir jede Nacht, wenn ich da war gelegen, und mit einander
gekuschel oder geschlafen.

Niemals wieder werde ich mit dir in diesem Bett liegen.

Ich stehe auf und begebe mich ins Bad.
Ich weiß noch, wie ich dir immer beim duschen zugeschaut habe, wenn ich
auf der Toilette war.
Dich hat immer geärgert, dass ich so lange im Bad brauchte.
Wie wäre es erst geworden, wenn wir zusammen gewohnt hätten?
Du hast immer an die Tür geklopft und so etwas gesagt wie, Bis du fertig
bist, vergeht ja die Ewigkeit.

Niemals wieder wirst du das zu mir sagen.

Wohnimmer, Küche, Schlafzimmer, Bad.
Das wars, deine Wohnung. Obwohl sie nicht groß ist, hat sich hier doch
die schönste Zeit meines Lebens abgespielt.
Ich habe nicht einmal geweint, während ich hier war.
Ich habe schon alle meine Tränen vergossen.
Ich werde nie wieder weinen.
Ausräumen werde ich wohl doch erst morgen.
Alles was ich jetzt will, ist ein wenig spazieren zu gehen.
Leise schließe ich die Tür.
Eine Sache habe ich doch gelernt.

Niemals wieder werde ich jemanden so lieben wie dich.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.10.2005. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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