Jürgen Lorenzen

Quartus! Das vierte Gebot

Schnapp! Der Digital-Wecker auf dem Holztisch springt um und zeigt 04.03h MEZ.
 Daneben steht ein Kristallaschenbecher, in welchem sorgsam drei Zigarettenstummel neben einander liegen. Gerade drückt eine adrige Hand die vierte glimmende Zigarette aus und legt sie exakt neben die anderen.
 Auf einem geöffneten Pappdeckel liegen die Reste einer Pizza ‚Quattro Stagione’.
 Vor einem Fensterkreuz sitzt ein Mann in einem blauen Overall. Er blickt durch das Fernrohr eines Gewehres, welches auf einem glänzenden Stativ montiert wurde.
 Ein hautfarbenes Kabel führt an seinem Hals entlang und windet sich zu seinem linken Ohr empor, kreuzt das silberne Kruzifix, welches am Ohrläppchen baumelt und endet in einem hellen Plastikknopf.
 Durch das Fernrohr sieht er auf der gegenüberliegenden Seite die weiße Fassade einer  Villa, die matt und diesig schimmert. Sie scheint unter dem bewölkten Himmel zu leiden.
 Die lackierte schwere Haustür wird geöffnet und ein bulliger Kerl in einem dunklen Anzug tritt heraus. Ihm folgt eine elegante ältere Dame mit Trauerflor.
 Der Knopf im Ohr knackt und eine heisere Stimme schnarrt: „Es ist soweit! Das vierte Objekt!“ Der Mann im Overall legt seinen linken Zeigefinger um den Abzug und krümmt ihn behutsam.
Ein Herr mit schwarzem Zylinder und Handschuhen folgt auf die vorherigen und zieht einen mit dunklem Samt bespannten Rollwagen hinter sich her, auf welchem sich ein schwerer Eichenholzsarg befindet. Ein weiterer Herr mit schwarzem Zylinder folgt.
Der Mann im Overall hält inne und flüstert: „Ein Sarg?“
 Die Stimme im Knopf befiehlt herrisch: „Fragen Sie nicht! Schießen Sie! Ich will auf Nr. Sicher gehen!“
 Der Mann im Overall krümmt seinen Zeigefinger. Ein explosionsartiges Zischen zerreißt die Stille. Die Fensterscheibe splittert und ein granatenähnliches Geschoß bahnt sich seinen Weg zum Ziel.

In einem Vestibül erhebt sich ein junger Mann in einem weißen Leinenanzug und schaltet das Walkie-Talkie aus. Dann reißt er eine Seite aus einem speckigen Folianten und zündet sie an. Schnell züngeln die Flammen über das Blatt und verbrennen den Satz: „Das vierte Gebot. Du sollst Vater und Mutter ehren.“ Während er zur Tür geht verwehen die Ascheflocken im Wind. Er drückt die Klinke herunter und sein Blick streift den Kaminsims. Eine Reihe von Fotos stehen nebeneinander. Eines davon zeigt die ältere Dame ohne Trauerflor, einen graumelierten Vater und einen traurig blickenden Jungen….

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.10.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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