Gaby Schumacher

Bärentraum (7. Teil)

 

Eigentlich hätte sie gar nicht dieses Straßenschild gebraucht, um zu wissen, wo sie jetzt waren, der Petz und sie. Überall um die Beiden her summte und brummte es in der Luft. Mal ganz nah neben ihren Köpfen, ja sogar ganz dicht am Ohr. Dann allerdings wich Sofie doch etwas zurück.

„Vielleicht vertut ein Bienchen sich und meint, mein Ohr ist der Eingang zum Bienenhaus.“ Sofie schüttelte sich. So sehr sie die Biene Maja und deren Freund Willi ja mochte, aber ins Ohr gehörten die nun wirklich nicht rein.

„Keine Sorge, Sofie, die kennen ihr Zuhause ganz genau!“, sagte Petz.

Gerade dann sauste eine große Biene gegen Sofies Arm.

„Huuch!“, machte Sofie ganz erschrocken.

„Was, wenn die sich auch erschrickt und mich sticht? Das tut dann so weh.“, wandte sich die Kleine ein wenig eingeschüchtert an Petz.

„Die tut dir nichts. Bienen stechen nur, wenn sie meinen, du willst ihnen etwas Böses!“

„Genau!“, summte die Unglücksbiene Sofie an. „Entschuldige, aber...bist du denn keine Blume? Du bist so hübsch bunt angezogen.“

Sofie riss die Augen auf.

„Die kann ja was sagen!“

 

 

Sie nahm sich vor, sich besser über nichts mehr zu wundern. Sonst müsste sie sich wahrscheinlich dauernd wundern. Und das wäre anstrengend.

„Ich bin Sofie!“, stellte sie sich vor. „Bist du die Maja von dem Willi?“

„Nein, ich bin Streifchen, die Oberarbeiterbiene. Ich pass auf unsere Arbeiterinnen auf, damit die fleißig sind. Das ist vielleicht schwer, kann ich dir sagen. Die sind jaa soo viele!“, stöhnte Streifchen.

„In ´Biene Maja` sind alle Bienchen ganz doll tüchtig!“, tröstete Sofie die Biene, die ganz geknickt ihre Fühler hängen ließ.

„Ach... und unser Nachwuchs macht noch viel Quatsch. Der spielt lieber Nachfliegen als sich um die Blumen zu kümmern!“, seufzte Streifchen erneut. Es war aber nicht mehr ganz so traurig und die Fühler hielt es schon fast wieder oben.

„Tja“, meinte Petz dazu. „Kinder sind überall gleich, bei den Menschen wie bei uns Tieren.“

 

 

„Streifchen, wohnt bei euch die Biene Maja?“

Streifchen lachte.

„Ja, aber wir dürfen sie im Moment nicht stören. Sie bringt gerade unseren Kleinen das Fliegen bei.“

„Die haben doch bestimmt Angst beim ersten Mal, oder?“, fragte Sofie mitleidig.

„Manche ein bisschen, aber dann stupst Maja sie vorsichtig an und summt ihnen ein lustiges Liedchen vor. Dann werden sie gleich mutiger und schwirren einfach hinter ihr her durch die Luft.. Und wenn sie dann die bunten Blumen sehen, ist alles vergessen.“

„Streifchen, bitte - bitte, zeigst du uns eure Stadt?“

Stolz hob die Biene ihren Kopf.

„Sofie will uns besuchen, wie schön!“, dachte sie.

Ihre Fühlerchen zitterten aufgeregt:

„ Klar mach` ich das. Kommt mit. Da werden die Anderen aber gucken!“

 

 

Vor Übermut und Freude malte sie Kreise in die Luft, schlug Purzelbaum wie ein Flugzeug und flitzte im Zickzackflug vor ihnen dahin. Sie war so fix, dass sich ihre beiden Gäste Mühe geben mussten, sie nicht aus dem Auge zu verlieren. Sofie rannte hinterher und Petz folgte seiner Freundin in super schnellem Bärengalopp.

Nach ein paar Minuten sahen sie schon von weitem die ersten Häuser. Je näher sie kamen, umso mehr staunte das Mädchen, obwohl es sich doch eigentlich vorgenommen hatte, sich über nichts mehr zu wundern.

„Hier ist eben alles ein bisschen anders als zuhause!“

Da standen nicht etwa nur drei oder vier Gebäude, sondern ganz viele..

„Petz, sind die aber klein!“, stellte Sofie fest.

„Es sind ja auch Bienen- und keine Menschenhäuser!“, erklärte Petz.

Sofie fielen fast die Augen aus dem Kopf. So winzige Häuschen hatte sie noch nie in ihrem Leben gesehen:

„Die sind irgendwie so krumm!“

Nur so groß wie Schuhkartons, hatten sie alle ein Dach, so braun wie Schokolade und Wände so weiß wie die Blütenblätter einer Gänseblume. Alle Häuser zierten zwei klitzekleine Fenster mit braunem Fensterrahmen und Gardinen dahinter so gelb wie Zitronen. Auf den Gardinen tummelten sich bunte Blumen und jedes von ihnen hatte eine knallrote Tür mit sechs Ecken.

„Ooh, sieht das süß aus!“, rief Sofie begeistert.

 

 

Die Häuschen standen dicht an dicht, soweit man gucken konnte.

„Aber das müssen ja auch so viele sein, denn es leben ja immer ganz viele Bienen zusammen und die brauchen doch alle Platz!“, klärte Sofie ihren Freund Petz auf.

Der nickte, sagte aber weiter nichts dazu:

„Sofie hat doch, weil sie so aufgeregt ist, tatsächlich vergessen, dass ich hier zuhause bin und die Bienenstadt natürlich wie meine eigene Hosentasche kenne.“, schmunzelte er.

Die Bären achteten nämlich sehr darauf, dass es den Krabbeltieren gut ging und in deren Stadt alles in Ordnung war. Schließlich sorgten die Bienen ja dafür, dass diese jeden Tag leckeren Honig futtern konnten.

„Ihr habt doch auch eine Königin. Wo wohnt die denn, hat sie ein richtiges Schloss für sich alleine?“, überfiel Sofie Streifchen mit Fragen.

 

 

Da hörte sie ein fröhliches Gelächter hinter ihrem Rücken.

„Ich hab doch gar nichts Dummes gesagt. Warum lacht denn da jemand?“, wollte sie gerade ein beleidigtes Gesicht ziehen, als sie plötzlich e.

Diese Stimmen, dieses Lachen kannte sie doch!

„Zottel, Benjamin!!“

Sofie hopste hoch vor Freude und umarmte die Beiden stürmisch. Vor allem ihren Benjamin, weil sie den ganz besonders lieb hatte.

„Wo wart ihr denn soo lange?“, fragte sie neugierig.

Benjamin strahlte, drückte seiner Sofie ein Teddyküsschen auf die Nase und erwiderte:

„Zottel und ich haben uns mit ein paar Musikbären getroffen. Es gab noch soo viel wegen heute Abend zu besprechen!“

Sofie zupfte Zottel am Pelz:

„Heute Abend, was ist denn heute Abend, Zottel?“

„Das wird nicht verraten, Sofie. Auch Teddys haben manchmal Geheimnisse!“

Das kleine Mädchen sah ihn prüfend an.

„Nein, so wie der guckt, sagt der mir bestimmt nichts!“ Enttäuscht seufzte sie.

Hätte Sofie geahnt, was ihr dieser Abend bringen sollte...

 

 

„Suhum, sum!“, machte es da neben ihr.

„Ach, entschuldige, Streifchen. Weißt Du, Teddy Benjamin gehört nämlich mir und den hab ich sehr lieb!“

Streifchen schwirrte ganz aufgeregt mit den Flügeln. So sehr freute es sich für die Beiden:

„Benjamin, du bist ein Glückspilz!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.10.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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