Patrick Wagner

Max Torrt: Die Vorgartenzwerge

Schon mehrere Jahre standen vor dem Hause Torrt, eine Horde von Gartenzwergen, dessen Farben langsam abblätterten. Bei jedem Regenguss verloren sie einen Teil ihres Glanzes. Nicht lange konnte sich Ilse das ansehen und sammelte sie von der Vorgartenwiese. „Mama, was machst du da?“, fragte Max entsetzt, als er seine Mutter dabei sah, wie sie die Gartenzwerge von der Wiese sammelte. Kurz zögerte sie, doch dann erzählte sie: „Ganz einfach, diese fast komplett farblosen Gartenzwerge machen unsern Garten nicht schöner, sondern hässlicher. Darum will ich sie wegschmeißen.“ Max war entsetzt. „Nur weil sie farblos sind, willst du sie wegwerfen?“, sagte er. Ilse zuckte kurz mit den Achseln und öffnete anschließend die Mülltonne, um die Zwerge hineinzuwerfen. „Stopp!“, rief Max, „ich will sie anstreichen.“ Seine Mutter schloss die Tonne wieder und drückte Max die Zwerge in die Hand. „Viel Spaß damit“, meinte sie und ging wieder ins Haus. Max schaute sich kurz die Zwerge genauer an, doch dann nahm er einen Pinsel und Farben aus der Garage und fing an, den Gartenzwergen neuen Glanz zu verleihen. Ordentlich glitten die Borsten des Pinsels über den Gartenzwerg. Max war nach getaner Arbeit erschöpft. Einen hatte er immerhin schon angestrichen, es fehlten nur noch vier. „Och nö“, jammerte er, „jetzt habe ich keine Lust mehr, die Zwerge weiter zu bemalen.“ Entspannt setzte er sich auf den Rand eines Beets. Da kam ihm die Idee. Er könnte doch einfach seine Freunde fragen, ob sie die anderen Zwerge anstreichen wollen. Sofort rannte er zum Telefon und rief Achmed an. „Hallo Achmed“, sprach er in den Hörer, als er bei Achmed anrief. „Hättest du Lust, unsere Gartenzwerge anzustreichen?“ „Ja gerne“, schmatzte Achmed und rannte zu Max Haus. Bjön und Mark fanden ebenfalls Interesse am Anstreichen von Gartenzwergen und kamen auch. Lisa und Maria rief Max bewusst nicht an, weil er wusste, dass die Zwerge die Männlichkeit verlieren könnten und das konnte Max auf keinen Fall riskieren. Nach ungefähr einer halben Stunde, waren die Gartenzwerge fertig angestrichen und bereit zum Lackieren. Nur ein Gartenzwerg war immer noch farblos und keiner der vier hatte noch Lust, ihn anzustreichen. Jeder brachte seinen eigenen Steel in die Farben des Zwerges. So wurde aus einen Gartenzwerg, der einen Gärtner mit einer Gieskanne in der Hand und einen Halstuch um, schnell zu einem dicken Mann wurde, der einen Döner in der Hand hielt und einen Sabberlatz trug. Einer ist richtig cool geworden, zumindest behauptete Bjön das, weil er ihn angestrichen hatte. Denn der Gartenzwerg, der Bjön zum Opfer gefallen ist, trägt nun eine Sonnenbrille und eine Lederjacke mit einem Totenkopf auf dem Rücken. Aber am Schlimmsten hat es den Gartenzwerg getroffen, den Mark angestrichen hatte. Aus einem gestreiften Badeanzug wurde schnell ein Wrestlinganzug und aus einer Blume mit vier Blüten wurde eine Sträflingskette mit einer vierzackigen Kugel am Ende. Max war mit keinem der Zwerge so ganz zufrieden, aber er sagte kein Wort. Nach dem Lackieren stellte Max die vier Gartenzwerge wieder in den Vorgarten. „Das ist Kunst“, behauptete Bjön und zeigte auf seinen Zwerg. „Unter Kunst verstehe ich etwas Anderes“, sprach eine Stimme von Hinten. Es war Lisa. „Was habt ihr denn mit denen gemacht? Sind die unter den Rasenmäher gekommen? Oder warum sehen die so seltenblöd aus?“, lachte sie frech. Achmed wurde wütend und sagte: „Du würdest die Zwerge doch auch nicht besser anstreichen können, weil du zuviel Weiberkram integrieren wirst.“ „Wirklich?“, grinste Lisa und fragte Max nach dem fünften Gartenzwerg. Zögernd gab Max ihr den Zwerg. Gleich, als sie ihn hatte, verschwand sie in der Garage. Nach gerade mal zehn Minuten war der Gartenzwerg fertig angemalt und lackiert. Max fand den Gartenzwerg von Lisa ganz toll und stellte ihn gleich an vorderste Front, wo er von jedem gesehen werden konnte. Lisa hat lediglich die Farben aufgefrischt, ein Bisschen Fantasie war natürlich auch dabei. Max überlegte kurz und hatte anschließend eine eindeutige Lehre aus der Geschichte gezogen: Lass Jungenfantasien niemals freien Lauf, wenn es um Gartenzwerge geht.

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Patrick Wagner).
Der Beitrag wurde von Patrick Wagner auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.08.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Patrick Wagner als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Der Söldner und die Wüstenblume von Hermann Weigl



Nach einem schweren Schicksalsschlag hat der unsterbliche Ritter seine Heimat verlassen und taucht im Gewimmel der Sterne unter. Er strandet auf einem fernen Planeten, auf dem eine mittelalterliche Kultur aufblüht und stößt auf das Geheimnis der Burg...

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Kinder- und Jugendliteratur" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Patrick Wagner

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Anekdote zur Steigerung der Arbeitsmoral von Patrick Wagner (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)
Johannes (eine Geschichte vom Sterben und Leben) von Christa Astl (Kinder- und Jugendliteratur)
SIE und ER von Julia Russau (Alltag)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen