Andreas Rüdig

Krefelder Krise

Der rheinische Gartenkünstler Maximilian Friedrich Weyhe entwarf um 1830 für die Krefelder Seidenhändlerfamilie de Greiff den Burgpark um die mittelalterliche Burg Linn iiim Stile eiens englischen Landschaftsparks. Weite Rasenflächen wechseln mit geschlossenen Gehölzpflanzungen. Solitärbäume und Baumgruppen werden gezielt herausgestellt.

Weyhe formte die ehemaligen Bollwerke zu lindenbestandenen Aussichtshügeln um. Sie lenken den Blick auf Burg und die angrenzende Landschaft. Obstbaumpflanzungen sollen den ländlichen Charakter des westlichen Parkteils unterstreichen. Tausende Blumenzwiebeln bieten im Frühling ein buntes Bild. Wildstaudenpflanzungen in den Gehölzflächen ergänzen den somnerlichen Blühaspekt. Der Wehrgang auf der Burgmotte wurde in die Parknutzung einbezogen. Kräutersaaten vermitteln einen Eindruck mittelalterlicher Burgflora. Obstspaliere, Rosen und Lavendel kommen hinzu.

Östlich des Burgparks liegt der Greiffenhostpark. Dieses Spätwerk Maximilian Friedrich Weyhes vermittelt englische Landschaftsgartenkunst. Den vorhandenen Linner Mühlenbach forme Weyhe zu lang gezogenen Uferlinien aus. Brücken sollen die Wasserflächen unterbrechen. Weyhe bezieht Blickverbindungen in die angrenzende Niederrheinlandschaft optisch mit in den schmalen Park mit ein und gibt ihm so ein Gefühl der Weite.

Westlich des Burgpark Linn schließt sich der Schönwasserpark an. Ursprünglich eine Landschaftsparkanlage aus dem 19. Jahrhundert, wurde der Park einige Jahrzehnte später ein beliebtes Ausflugs- und Erholungsziel mit großem Biergarten. Vor 80 Jahren wurde der Park nach Osten hin erweitert. Der langgestreckte Park gilt als erste Volksparkanlage Krefelds mit geraden Wegen, großer Teichanlage, abwechslungsreicher Bepflanzung und Kinderspielplatz. 

 

Auf zwei nebeneinander liegenden Grundstücken an der Wilhelmshofallee entwarf der Architekt Ludwig Mies van der Rohe (1886 - 1969) für die Gesellschafter der Krefelder Vereinigten Seidenwebereien, Hermann Lange und Josef Esters, zwei benachbarte Backsteinvillen im Bauhausstil. Die Inneneinrichtung und Gartenanlagen gehörten dazu.

Zwischen 1998 und 2000 wurden beide Villen innen und außen umfassend saniert; ebenso die umgebenden Gartenanlagen. Der von Mies van der Rohe konzipierten gestalterischen Einheit aus Gebäuden und Außenanlagen sollte so wieder Rechnung getragen werden.  Die strenge und gradlinige Aufteilung der Wege, Beete und Terrassengärten entstand nach historischen Luftbildern wieder neu. 

 

Krefeld ist die Stadt der Gärten und Parks. Die Stadt am Niederrhein kann stolz darauf sein. Die Niederrheinische Universität zu Duisburg startet dort jetzt ein breit angelegtes Forschungsprojekt. Sie geht der Frage nach, ob Bäume miteinander reden können. Dazu wollen die Botaniker spezelle Richtmikrofone in den Krefelder Parks aufstellen. Ihre Bitte an die örtliche Bevölkerung: "Die Richtmikrophone sind hochsensibel. Bitten nähern Sie sich ihnen nicht."

 

(Krefelder Herold, drei Wochen später)

"Unser Forschungsprojekt war erfolgreich, aber anders als gedacht," berichtet Albrecht Graf Rotz - von Rotz, der Leiter des Forschungsprojektes. "Die schlechte Nachricht, die vielleicht auch nicht anders zu erwarten war, zuerst: Bäume können nicht sprechen, zumindest nicht wie wir Menschen. Dafür machten wir eine andere Entdeckung: Bäume kommunizieren durch Zeichensprache. Seltsame Klopfgeräusche, die wir nachts aufzeichnen konnten, brachten uns zu dieser Erkenntnis. Als wir uns in der kommenden Nacht leise und unauffällig in den Park begaben, sahen wir, wie gelangweilte Bäume mit ihren Wurzeln auf die Erde trommelten. Andere Bäume bewegten ihre Äste merkwürdig, ohne das dies durch Wind oder anderes erklärt werden kann. Für uns hat sich hier ein riesiges neues Forschungsgebiet aufgetan.

(Baumökologisches Fachblatt)

Die Nahkampftruppe der Krefelder Baumschützer hat ihren diesjährigen Aprilscherz erfolgreich durchführen können. Die als vor Ort unbeliebten Duisburger Botaniker zu Forschungszwecken nach Krefeld kamen und wissen wollten, ob Bäume reden könnten, kletterten die Öko-Aktivisten in die Bäume. Sie befestigten dort unsichtbare Stricke und Lampen, die sie geschickt bewegten. "Diese Tölpel sollen nun herausfinden, wie wir sie veräppelten," fordert Gotthard Grünzelpfurz, Leiter der Aktion.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.06.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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