Paul Rudolf Uhl

Menschen, Götter und Gelehrte )3

 

3)Was sagt die Wissenschaftzur Schöpfung?
 
Zur Frage, ob es bei der Entwicklung des Lebens auf der Erde einer helfenden Schöpferhand bedurft hatte, las ich bei Hoimar v. Ditfurth nach und was dieser ernst zu nehmende Wissenschaftler schreibt, ist klar und eindeutig:
 
*Es ist durchaus diskutabel, dass alles irdische Leben himmlischer Herkunft sein könnte. Der Gedanke, dass das Leben vom Himmel, genauer: aus den Tiefen des Weltraumes stammen könnte, wurde von Wissenschaftlern der NASA vor einigen Jahren ernsthaft diskutiert. Ist das Leben etwa auf diesem Wege auf die Erde gelangt? War es eine Invasion kosmischer Einzeller, welche die Erde in ihrer präbiotischen Entwicklungsphase besetzten um den Keim für allesspätere Leben zu setzen? Aber solche Diskussion löst das Problem nicht, es schiebt es nur hinaus, denn auch diese Einzeller müßten ja irgendwo entstanden sein...
Man muß sich klar machen, was sich in dieser Phase auf der Oberfläche der jungen Erde abgespielt hat: auch in der fernen Vergangenheit gab es schon alle Elemente, die wir heute kennen. Aber sie existierten nicht für sich allein,sondern sie lagen in einer Fülle von chemischen Verbindungen vor, z.B. in den gasförmigen Bestandteilen der Ur- Atmosphäre: Ammoniak,  Methan, Kohlendioxyd und Wasserstoff. Hinzu kamen die unzähligen Mineralien der Erdkruste selbst, Aluminium- sowie Eisen- Magnesium- Silikate, Carbonate, Schwefel- und Stickstoffverbindungen...
Wasserstoff und Sauerstoff (dieser entstand durch die Fotosynthese von Grünalgen und anderen Vorläufern der Pflanzen) sind unsichtbare Gase. Wasserstoff- und Sauerstoffatome haben wichtige Eigenschaften: ihnen wohnt die Tendenz inne, nicht isoliert zu bleiben, sondern sich miteinander zu verbinden, und zwar mit großer Heftigkeit und es genügt eine nur geringe Menge Energie dazu, die durch die Sonneneinstrahlung und die in der Ur- Atmosphäre wütenden Gewitterblitze mehr als reichlich vorhanden war. Aus der Hochzeit dieser beiden Elemente entstand Wasser, eine weitere, wichtige Grundlage für das Leben.
 
Das genügte aber nicht. Um Leben entstehen zu lassen, dazu wären Biopolymere (das sind chemische Verbindungen, deren Moleküle ein Mehrfaches eines anderen Moleküls sind) also z.B. Aminosären wie Eiweißkörper, Nukleinsäuren und Kohlendioxyd erforderlich gewesen und es gab keine Lebewesen, die so etwas produziert hätten. Trotzdem gab es solche Polymere plötzlich  Diese abiotische (elternlose, nicht gezeugte)Entstehung von Biopolyme-ren konnte von der Wissenschaft lange nicht erklärt werden.
An Beweisen, daß sich unter den gegebenen Voraussetzungen auf der Erde solche Biopolymere gebildet haben können, bastelten die Wissenschaftler aller Länder mit theoretischen Überlegungen recht lange und sehr vergeblich, bissich endlich 1953 der junge Chicagoer Chemiestudent Stanley Miller dazu entschloß, es durch ein einfaches Experiment zu versuchen: er beschaffte sich die wichtigsten Ingredienzen, die, wie man ihm sagte, in der Ur- Atmosphäre enthalten gewesen sein mußten. Er nahm also Methan und Ammoniak – sonst nichts – mischte es auf gut Glück mit Wasser und verschloß  die Lösung in einem Glaskolben. Welche Energie sollte er der Mischung zuführen? Er entschied sich für Blitze, weil es diese in der Ur- Atmosphäre zur Genüge gegeben hatte. Er schloß also eine Hochspannungsleitung an seinen Glaskolben an und sorgte dafür, dass die Mischung von möglichst vielen Funkenentladungen getroffen wurde.

Auf der damaligen Erde mag es mehrere 100 Jahrmillionen gedauert haben, bis unter solchen Bedingungen „etwas passiert“ sein mußte... Miller war ungeduldig und schaltete schon nach 24 Stunden den Strom ab. Dann füllte er die Versuchslösung, die er mit den Blitzen behandelt hatte, in Reagenzgläser und untersuchte, was sich getan hatte.
 
Die Behandlung hatte in der so simplen Mischung neben einer Reihe ganz anderer Verbindungen gleich 3 der wichtigen Aminosäuren entstehen lassen: Glyzin, Alanin und Asparagin. Das waren 3 von insgesamt 20 wichtigen Bausteinen, aus denen alle biologischen Eiweißarten zusammengesetzt sind, die es auf der Erde gibt!
Die Wissenschaft konnte nicht glauben, daß ein derart simples Experiment solche - eindeutigen und jederzeit wiederholbaren - Ergebnisse erbringen konnte. Es wurde von 
vielen Zweiflern ständig und immer wieder probiert. Immer kam dasselbe Ergebnis heraus und es ist nicht abzuleugnen: in der Millerschen Lösung bildeten sich durch Lichteinfluß die gesuchten Aminosäuren als Vorläufer derBiopolymere....
– Naturgesetz!
Bewiesen war damit auch, daß das Leben dieser Erde aus dem Wasser kam...
 
Natürlich dauerte es mit der Entwicklung von Leben auf der Erde noch sehr lange, bis aus diesen Biopolimeren und später durch viele weitere Entwicklungen und Zufälle zunächst Einzeller entstanden, die sich durch Fotosynthese (Bildung von Zucker durch Umwandlung des Lichts) ernähren und vermehren konnten. Von da an war es nur noch ein relativ kurzer Zeitraum (Zehntausende von Jahren, aber was ist das gegenüber der Zeit von 13 Milliarden Jahren vom Urknall bis heute?), bis es Tiere gab, die das Wasser verlassen und auf dem Land leben konnten und bis zum Auftauchen der ersten Menschen waren es dann – relativ gesehen – nur noch „Augenblicke“...
 
Nun kann man meinen, daß dieses Naturgesetz eben die Schöpferhand schlechthin sei. Auch andere Naturgesetze wie z.B. die Schwerkraft sind fundamentaler Bestandteil der Welt und können, wenn man es so möchte,  auf „die Schöpferhand“ zurückgeführt werden. Sei es so!
 
Wer also sich darauf zurückziehen möchte, daß die Möglichkeit der Entstehung von Leben durch das „Schaffen“ von Naturgesetzen von Seiten Gottes – wie er auch immer aussehen mag – erfolgte, der kann guten Mutes an Gott glauben.
Laßt mich weiter spekulieren: Wer das Bestehen von Naturgesetzen dahin auslegt, daß die Natur ihre eigenen Regeln hat und unerklärlicherweise eben existiert – in welcher Form auch immer - der kann auch annehmen, die Natur, das Weltall, das Universum sei der Schöpfer der Lebewesen. Sie könnte mit mindestens ebenso hoher Wahrscheinlichkeit wie andere - vom Geist der Menschen erdachte – Phänomene, diese schöpferische Gottheit sein. Und wenn wir die Meldungen der Medien sehen und hören, die von Vulkanausbrüchen, Überschwemmungen, Murenabgängen,Lawinen und Erdbeben berichten, die viele Leben kosten und hohen Schaden verursachen? – Sind wir da nicht versucht, zu sagen, dass die Natur, die uns Menschen mit Sicherheit überdauern wird -übermächtig und unbezwingbar ist.– Trotz all unserer Technik, die gegenüber solchen Gewalten völlig hilflos ist und wie Spielzeug wirkt?
 
Ein unsichtbarer, dreieiniger Gott ist für einfache Menschen schwer vorstellbar, da mag es angemessen sein, den Menschen etwas greifbareres an die Hand zu geben – z.B. „den lieben Gott“ (oder auch einen bösen, das spielt keine Rolle), jedenfalls eine Person. Nur eine solche erfüllt scheinbar den Bedarf des simplen Individuums nach einer Autorität.
Wenn man den Leuten aber zumutet, an einen unsichtbaren Geist als Gott zu glauben, kann man ihnen genauso leicht die mächtige Natur und deren Kraft als Gott benennen...
 
Sie besteht sogar aus be-„greif“-barer Masse, sie kann aber ggf. auch reine Energie sein... Erinnern wir uns: in der Schule haben wir gelernt, daß Energie nicht vernichtet werden kann, sie kann höchstens ihre Form ändern...
 
Ich glaube, ein Bestandteil der Urkraft zu sein, ein Teil der Kräfte des Universums, das derzeit in Form von Material und Energie besteht. In weiteren Milliarden von Jahren könnte die Natur wieder aus reiner Energie bestehen, nämlich dann, wenn sich das zur Zeit noch expandierende Universum wieder bis zu seinem Ursprung zusammenzieht... Ein Atemzug des Universums? Aber was wissen wir schon?
 
Fassen wir zusammen: Energie ist unsterblich. Ich und auch Du, und alles was es gibt, sind Bestandteil der(unsterblichen) Naturenergie. Ergo sind wir beide in gewissem Sinn unsterblich, wir bestehen nämlich „nur im Augenblick“ zu einem hohen Anteil aus Masse, aus Körper, aus flüchtiger Substanz oder sind ein Teil davon...
 
Das Christentum kann recht haben, zu behaupten, wir würden alle einmal wieder „erweckt“, selbst wenn unsere körperlichen Bestandteile im Todesfall zunächst erst mal „dem großen Materialdepot“ zugeführt werden. Alles ist nur eine Sache der Definition. Wann wird die Materie des Alls wieder zu reiner Energie werden - und kommt es dann zu einer neuen, anderen, besseren Lebensform ?
 
Betrachten wir die riesigen Zeiträume, in denen die Natur handelt und bedenken wir, wie empfindlich das derzeit bestehende Ökosystem ist und daß wir uns redlich Mühe geben, unsere Umwelt zu schädigen und zu zerstören (was uns sicherlich gelingen wird), so kann der Mensch nur ein relativ kurzes Gastspiel in der Welt geben und er könnte – wie die Saurier – schon bald (das kann im kosmischen Sinne schon in tausend Jahren sein) aussterben und vielleicht durch ein besseres Individuum ersetzt werden.
- Auch eine Art der Wiedergeburt? – Was wissen wir schon...?
 
So, jetzt haben wir lange genug das Spielchen gespielt „Was bin ich?“ bzw. „Adam und Eva“....– lassen wir es für diesmal genug sein!
 

 

  • Die kursiv geschriebenen Textteile stammen aus „Im Anfang war der Wasserstoff“, Hoimar v. Ditfurth, Verlag Hofmann u. Campe, Hamburg 1972

 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.03.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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