Ernst Dr. Woll

Nach Ostern wurde das Weihnachtsgeschenk Kater entsorgt

Ein Kater äußert sich: „Ich höre die Menschen oft sagen: `Tiere können nicht sprechen, begreifen nur das, was wir ihnen mühsam beigebracht haben und welche Empfindungen diese Geschöpfe vielleicht haben, ist auch nur schwer zu ergründen. ´ Doch da haben sich diese Zweibeiner gewaltig geirrt. Wir verstehen und ergründen viele Dinge, die diesen oft eingebildeten „höheren Wesen“ verborgen bleiben; bei ihnen hat die Evolution manches verkümmern lassen, was bei uns Tieren noch so gut funktioniert, dass wir häufig besser sehen, riechen und hören um Gutes und Schlechtes zu unterscheiden. Außerdem fühlen wir auch Schmerzen und spüren Leid, ertragen dies aber meistens geduldiger und jammern seltener. Aber all das wollte ich nur am Rande erwähnen, ich will weiter erzählen, wie ich von einer Wohnungskatze zu einer freilebenden oder wie häufig gesagt wird, streunenden Katze wurde  und was ich dann in der Freiheit erlebte.
Weihnachten, als ich als Weihnachtsgeschenk in diese chaotische Familie kam, lag nun schon lange zurück und ich vernahm Gespräche über das Osterfest. Auch die Oma sollte wieder zum Festtagsbraten eingeladen werden und ich befürchtete schon, sie bringt wieder diesen unmöglichen Dackel mit. Aber da vernahm ich, dass sie den ins Tierheim geben musste, weil sie selbst auch ins Pflegeheim umgezogen war.  Mit dem Begriff Heim wusste ich so gar nichts anzufangen, aber es schien etwas Schlimmes zu sein, denn es wurde auch erzählt, die Oma wäre gar nicht gern dorthin gegangen. Ich hörte den Vater jetzt oft sagen, da bringen wir den Kater eben ins Tierheim, denn bei uns kann er nicht mehr bleiben. Da protestierten aber die Mutter und  die Kinder und sagten: `Da kommt doch unser Kater her und dort will man Tiere in Familien vermitteln und nicht wieder aufnehmen. Außerdem werden dort die Katzen nur in Gefangenschaft und in großen Gruppen gehalten, da kann sich unserer nicht wieder eingewöhnen. ´ Also, so schlussfolgerte ich, ist ein Heimaufenthalt nur ein Notbehelf, für Katzen nicht als Daueraufenthalt zu empfehlen und etwas Mieses.
Ergründen musste ich aber noch, warum ich nicht in der Familie bleiben sollte, denn ein abgekühltes Verhältnis mir gegenüber spürte ich schon länger. Besonders die Tochter wich mir völlig aus und ich hörte, sie hat eine Katzenallergie. Ich muss schon sagen, was heutzutage alles festgestellt wird erschwert unser Zusammenleben mit den modernen Menschen immer mehr. Darüber hinaus wird in der Familie viel darüber diskutiert, dass Katzen eigentlich auch immer mal ins Freie müssen und dazu gibt es hier in dieser Stadt für Parks und öffentlichen Plätze und Straßen beim Freigang von uns einen Leinenzwang. Warum eigentlich, das erfuhr ich noch nicht so richtig. Auf alle Fälle wird uns nachgesagt, dass wir sonst eine Bedrohung für die immer weniger werdenden Singvögel seien aber das stimmt gar nicht, wir fangen doch nur die, die ungeschickt sind und nicht rechtzeitig in die Baumwipfel flüchten. Hinzu kommt, die Erwachsenen und auch die Kinder führen mich nicht mehr gern aus – alle geben an, keine Zeit zu haben. Ein Phänomen der Moderne! Kurzum, ich wurde bei diesen Leuten von einem schönen Spielzeug zur großen Belastung. Das wäre zu verhindern gewesen, wenn sie die Empfehlungen des Deutschen Tierschutzbundes gelesen hätten, was vor der Anschaffung eines Haustieres zu beachten ist. Darin steht, dass die Fragen zu klären sind: Was erwarte ich mir von meinem Tier? Welches Tier würde am besten zu mir und meinen Lebensgewohnheiten bzw. Freizeitverhalten passen? (Zeit, Platz, Kosten, eventuell Allergien, Umfeld, usw.)´
Eines Tages, das Osterfest, über das ich noch berichten muss, war schon wieder einige Zeit vorbei, da wurde ich, was noch nie vorgekommen war, zu einer Ausfahrt mit ins Auto genommen. Aber zunächst noch etwas zu den Osterfeiertagen, die Hektik, die ich da erlebte, war das Gegenteil von feiern. Ich war mittendrin und habe noch zusätzlich einiges durcheinander gebracht. Es war Karfreitag, die Kinder hatten schulfrei, die Osterferien begannen und  Vater und Mutter mussten auch nicht zur Arbeit. `Heute spielen wir Osterhase´, sagte die Mutter und begann in der Küche mit den Vorbereitungen zum Ostereierfärben. Die gekochten Eier wurden auf den Tisch auf Tücher zum Trocknen gelegt, damit sie dann die Eierfarbe besser annehmen. Ich saß auf der Eckbank und beobachtete wie sich diese runden oder besser ovalen Dinge leicht bewegten. Alles Bewegliche reizt mich und ich sprang auf den Tisch um zu spielen. Zwangsläufig fielen viele Eier auf den Boden. Großes Geschrei und ich wurde aus der Küche gejagt.
Dann kam der Ostersonntag und am Vormittag war für die Kinder Eiersuchen angesagt. Ich hörte den Jungen schmollen und sagen: `Warum müssen wir die Ostergeschenke noch suchen, wir wissen doch, der Osterhase ist nur ein Märchen.´ Die Eltern protestierten, weil sie meinten, das gehöre eben zur Tradition und der Vater sagte: `Früher als wir noch einen Garten hatten, da machte das noch so richtig Spaß, jetzt in der Wohnung gibt es zu wenig Verstecke´. Als ich das Wort Garten hörte wurde ich richtig traurig – ja, ein dortiger Auslauf hätte auch mir Freude gemacht. Kurzum, ich wurde mal wieder an die Leine genommen und von den Kindern auf der Straße ausgeführt. Als wir zurück kamen hieß es: `Der Osterhase war hier, ihr könnt suchen. `  Nun kam bei den Kindern doch eine gewisse Begeisterung auf, denn die Ostereier waren Nebensache, sie hatten sich noch andere Geschenke gewünscht. Tatsächlich fand das Mädchen eine schöne Bluse, die sie zunächst über die Stuhllehne hängte um sie später anzuprobieren.  Wieder wurde mir ein Wackeln zum Verhängnis – die Ärmel des Kleidungsstückes baumelten, ich krallte einen und zog die schöne Bluse davon unter den Stubentisch. Großer Aufschrei: `Der Kater macht meine Bluse kaputt und ich kann sie wegen meiner Allergie auch nimmer anziehen. ´ Tatsächlich war es mir gelungen das Geschenk mit meinen Krallen zu beschädigen.  Strafe: Ich kam wieder in die dunkle Abstellkammer und war vom schönen Osterfest weiterhin ausgeschlossen – dabei roch es in der Küche so gut aber von den Osterbraten bekam ich gar nichts ab.
Nun, nach dem für mich missglückten Osterfest, zurück zu meiner ersten und letzten Autoausfahrt mit dieser Familie. Mutter und Junge saßen auf der Rückbank und ich hockte dazwischen. Etwa aus dem Fenster gucken war nicht möglich, wenn ich hoch wollte wurde ich wieder niedergedrückt. Ich wusste nicht wo es hin ging und spürte plötzlich ein starkes Holpern als der Wagen auch schon hielt. Die Türen wurden geöffnet und ich sprang auch gleich hinaus, denn es wurde Zeit zur Entleerung meiner Blase. Das war hier im Moos am Rande eines Waldweges besonders schön. Doch ich war noch nicht ganz fertig – so schnell hatte ich diese Menschen noch nie gesehen – da fuhr das Auto davon. Hinterher rennen wäre zwecklos gewesen – ich war ausgesetzt. Was sollte nun mit mir geschehen? Aber darüber werde ich in einer Fortsetzung berichten.“
E.W. 2016

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.01.2016. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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