Hartmut Müller

In einer Mondnacht im Schwarzwald

Er war hochgewachsen, schlank, gesund und sein Leben lang ein sogenannter Hagestolz, ein ziemlich egoistischer Einzelgänger also, und anderen gegenüber nur soweit zugänglich, wie sie seiner Unterhaltung und seinen Ausschweifungen nützlich waren. Als er ins Rentenalter kam, legte er sich "zum Zweck einer geordneteren Haushaltsführung" eine Lebenspartnerin zu, eine Ruth. Sie begannen, gemeinsam zu reisen und zum Beispiel mehrtägige preiswerte Seniorenpartien zu machen, und vor zwei Wochen ging es auf diese Weise zum Ausspannen in den Schwarzwald, denn anschließend sollte die Wohnung renoviert werden, und das umfangreiche Material dafür lag schon bereit.
Jetzt war man aber erstmal weit weg und konnte "abruhen" und "die Sau rauslassen", wie er bei guter Laune zu sagen pflegte.
Drei Tage wohnten sie nun schon in dem 2- Sterne- Hotel mit viel lila- großblumigem Plüsch und der typischen Aura von kaltem Zigaretten- und Pommes frites- Qualm.
Weil der Vollmond nachts ins Zimmer schien, schlief er unruhig, wachte auf und dachte mit Schaudern daran, was ihm nach der Heimreise bevorstand. Kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn, er stand auf, zog seinen Bademantel über und trat unschlüssig auf den Flur. Eine spiegelnde Flügeltür lockte ihn weiter, er öffnete sie, ohne das Warnschild "Notausgang, Durchgang verboten!" zu sehen und fiel zwei Stockwerke tief auf die Betonbrüstung des Terrassencafes.
Ruth wurde etwa eine Stunde später wach, vermisste ihn, kam beim Suchen auch auf den Flur und sah durch das geöffnete Türfenster nach draußen. Dort lag er vor ihr im Mondschein.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.01.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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