Christa Astl

ZUGvogel reist

 

 

 

Die Sommerzeit und allgemeine Reisezeit beginnt. Auch ZUGvogel startet wieder, und wie der Name sagt, mit dem Zug.

ZUGvogel kann keine Fremdsprachen, also können die Reisen nicht ins ferne Ausland führen, sondern nur in Nachbarländer mit der gleichen Sprache.

Jahrelang ging die Fahrt gen Norden, auch auf die nordöstlichsten Inseln. Das Meer, das ebene weite Land hatte es ZUGvogel aus den Bergen besonders angetan. Das Auge ins fast Unendliche schweifen zu lassen, unbegrenzt von Bergen, die die Sicht versperren, war schon seit frühester Kindheit der größte Wunsch.

Doch diesmal zog es Zugvogel in die Schweiz, das Land der noch höheren Berge.

Zugvogel reist diesmal mit Koffer, nicht mehr wie früher mit großem Tramperrucksack. Die Flügel sind schwächer geworden, die Kraft, dieses Gewicht noch zu schleppen, lässt nach. Doch das Herz bleibt jung, die Abenteuerlust ungebrochen.

Neues sehen, neue Menschen kennen lernen, ist immer noch ZUGvogels Devise.

Stundenlanges Sitzen bei einer langen Anreise, dem Unbekannten entgegen. da braucht es keinen Lesestoff, keine Musik, der natürliche Lärm des Zuges, der Reisenden, das ist Unterhaltung genug. Die Blicke haben Arbeit, alles aufzunehmen, vieles zu behalten. Große Städte mit ihren Prachtbauten, kleine schmucke Dörfer mit spitzen Kirchtürmen, flaches Land, fruchtbare Wiesen und Felder, dann wieder schroffe Felsformationen, wechselnd mit sanften bewaldeten Hügeln, so ist die vorbei ziehende Landschaft abwechslungsreich und kurzweilig.

Das Vergangene, Zurückliegende verschwindet wird immer kleiner, nur noch ein Punkt in der Erinnerung. Es sollte für eine Zeit nicht ins Blickfeld treten, würde doch Vergleiche hervorrufen, mit der Heimat verbinden. Doch ZUGvogel will für wenige Wochen die Heimat vergessen, sich im Anderswo ansiedeln.

Die Welt ist groß genug, einen Platz zu finden, wo anzukommen, zu verweilen, weiter zu fahren.

Ob mit der Zahnradbahn an den Fuß der Gletscher, eine Stunde am See entlang, viele Minuten im dunklen engen Tunnel, Ängsten entgegenwirkend, alles hat seinen Reiz. ZUGvogel genießt es. ZUGvogel fliegt, in Gedanken, über den Schienen, die den Weg vorgeben.

Und jede Fahrt findet wieder ihr Ende, vor der eigenen Haustür. Der Geist kommt später erst nach, es dauert, bis sich ZUGvogel wieder im engen Bereich eingewöhnt hat.

 

 

ChA 11.07.22

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